22. Juli 2026
Wie sich ICT-Rollen verändern

Deutlich weniger offene Stellen im ICT-Bereich
Die Zahl der offenen Stellen im Software-Bereich ist seit 2022 deutlich stärker gesunken als in anderen Berufsfeldern. Gemäss den Arbeitsmarktdaten von x28 AG wurden im Frühjahr 2022 in der Schweiz gut 3’000 offene Stellen im Software-Bereich ausgeschrieben. Im ersten Quartal 2026 waren es monatlich noch rund 800. Das ist ein Rückgang von über 70 Prozent in weniger als vier Jahren.
Zum Vergleich: Die Anzahl aller offenen Stellen ist im gleichen Zeitraum nur um etwa 22 Prozent gesunken. Anfang 2026 war die Anzahl aller offenen Stellen im Vergleich zu 2019 höher, während sie in Software-Jobs deutlich tiefer war.

Das ist ein ernstzunehmendes Signal für den Markt. Der Rückgang trifft einen Bereich, der lange als krisensicher galt. Was steckt dahinter? Standardaufgaben werden automatisiert. Offshore-Modelle gewinnen an Boden. Und KI-gestützte Entwicklungstools verändern, wie viele Personen für ein Projekt gebraucht werden.
Für Entwicklerinnen und Entwickler bedeutet das: Wer sich auf einen festen Werkzeugkasten verlässt, wird es schwerer haben. Ständige Weiterentwicklung ist dabei eine Notwendigkeit. Nicht zwingend in die Tiefe eines einzigen Tools, sondern in die Breite.
In einem Markt, der sich schneller bewegt denn je, müssen auch Firmen flexibel bleiben. Und dafür bedarf es Menschen, die sich ebenso flexibel bewegen. Ein breites Skills-Set, das nicht zu stark an Tools geknüpft ist, hilft dabei, die nötige Flexibilität zu erlangen. Als Firma, als auch als arbeitnehmende Person.
Nach diesen Skills suchen Arbeitgebende
Ein Blick auf ausgeschriebene Software-Stellen offenbart jedoch, dass Arbeitgebende eher tool-fokussiert nach passenden Menschen suchen. In Vakanzen wird am meisten nach folgenden Skills gefragt:
1. IT-Tools nutzen (38’629 Nennungen)
2. SAP nutzen (14’092 Nennungen)
3. Datenmanagement umsetzen (9’621 Nennungen)
4. ERP-Systeme anwenden (8’247 Nennungen)
5. Software entwickeln (7’081 Nennungen)
«CAD-Pläne erstellen» (5’013), «Abacus anwenden» (4’288), «Python programmieren» (3’640) und «Cloud-Lösungen implementieren» (3’376) führen die Liste weiter. «Automatisierungsprozesse umsetzen» (2’956), «Digitale Transformation unterstützen» (2’777) und «CRM-Software anwenden» (2’775) schliessen die 15 am häufigsten genannten Skills in Stellenanzeigen ab.
Das wirft eine unbequeme Frage auf: Suchen Firmen wirklich die besten Lösungen für ihre Herausforderungen oder einfach nach schnellem, kurzfristigem Ersatz?
Diese Skills bringen Software-Fachkräfte mit
Auf der Angebotsseite – also in den Profilen von Entwicklerinnen und Entwicklern – sieht das Bild anders aus. Plattformspezifische Skills sind weniger prominent. Dafür überwiegen methodische und konzeptionelle Stärken.
Ein Blick auf die Skills von über 1’200 Software-Entwicklerinnen und -Entwicklern aus der Work-ID verrät: Die am meisten vorhandenen Fähigkeiten sind nicht primär technischer Natur:
1. Probleme lösen (451 Nennungen)
2. Software entwickeln (450 Nennungen)
3. Projekte umsetzen (414 Nennungen)
4. Prozesse optimieren (394 Nennungen)
Was auf den zweiten Blick noch auffälliger ist: «Kundinnen und Kunden beraten», «Konzepte entwickeln» und «Analytisches Denken» gehören genauso zum Profil moderner Entwicklerinnen und Entwickler wie Git, SQL oder Python. Das klassische Bild der Person, die allein im stillen Kämmerlein Code schreibt, entspricht nicht mehr der Realität.
ICT-Rollen sind Schnittstellenrollen. Sie verbinden Technik mit Kommunikation, Umsetzung mit Konzeption und Individualarbeit mit Teamverantwortung.
Was das für die Branche bedeutet
Die Daten zeichnen ein klares Bild: ICT-Rollen sind unterdessen selten reine Umsetzungsrollen. Sie sind Gestaltungsrollen. Wer heute in der ICT tätig ist, bringt nicht nur technisches Know-how mit, sondern auch die Fähigkeit, Probleme zu erkennen, Lösungen zu konzipieren und Menschen zu begleiten.
Das stellt Fachkräfte vor neue Anforderungen. Aber es stellt auch Unternehmen vor eine Aufgabe: Stelleninserate, die primär nach Tools suchen, werden nicht die Menschen anziehen, die den Unterschied machen. Wer die besten Menschen gewinnen will, muss beschreiben, was wirklich gefragt ist: Mitdenken, Gestalten, Zusammenarbeiten.
Autor
Cornel Müller ist Serienunternehmer und Gründer der Work-ID AG. Work-ID bringt Arbeitgebende und Arbeitnehmende zusammen, die wirklich zueinander passen. Als digitaler Skills-Ausweis begleitet die Work-ID Arbeitnehmende ein Arbeitsleben lang. Dieser Beitrag entstand im Rahmen der Wissenspartnerschaft zwischen swissICT und Work-ID.