5. November 2019

Darum lohnt es sich, Green IT ernst zu nehmen

Der CO2-Fussabdruck der ICT-Branche steht noch kaum im öffentlichen Fokus. Das kann sich schnell ändern, Lösungsansätze sind angedacht.

von Fynn Wohlgensinger, Brand & Sales Communication, Prime Computer AG 

Die CO2-Problematik und die dadurch verursachte Klimaveränderung sind momentan sehr präsent, sowohl medial wie auch immer mehr politisch. Einige Wirtschaftsbranchen stehen deutlich stärker im Fokus als andere, beispielsweise die Auto- und die Flugindustrie. Aufgrund veränderter gesetzlicher Vorgaben und neuer Kundenbedürfnisse sehen sich die Autohersteller gezwungen, schneller auf CO2-ärmere Antriebe umzustellen. Diese plötzliche «Hektik» ist teuer. Unerwartet kamen die neuen Rahmenbedingungen für die Autoherstellung nicht. Trotzdem wurde, solange es ging, auf immer schwerere Fahrzeuge und stärkere Motoren gesetzt.

Hohe CO2-Emission der IT

Noch stärker im Scheinwerferlicht steht der globale Flugverkehr. Mit «Flugscham» wurde bereits ein eigener Begriff etabliert, um die zunehmende Neigung zu beschreiben, aus schlechtem Gewissen gegenüber dem Klima das Flugzeug zu meiden.

Andere Branchen wiederum, wie die ICT-Branche, werden bezüglich Ihres CO2-Verbrauchs kaum kritisiert. Dies erstaunt, wenn man die konkreten Zahlen anschaut. Der globale CO2-Footprint der ICT-Branche ist bereits jetzt doppelt so hoch wie derjenige der globalen Flugverkehrsindustrie. Zudem wächst der Footprint der ICT nochmals deutlich schneller als der CO2-Fussabdruck des schnell wachsenden Flugverkehrs.

Neben technologischen Aspekten, wie IoT, spielt auch ein verändertes Konsumverhalten eine treibende Rolle bei diesem Wachstum. Immer mehr Online-Content wird in Videoform konsumiert, was deutlich mehr Serverleistung und Speicherplatz verbraucht. Gemäss einer aktuellen Studie ist dies ein entscheidender Faktor des Wachstums des CO2-Footprints der ICT-Branche. Dass aber jemand beim Youtube-Schauen ein schlechtes Gewissen gegenüber der Umwelt entwickelt, dürfte selten vorkommen. Nichtsdestotrotz sollte die ICT-Branche diese Problematik proaktiv angehen, damit sie nicht in die gleiche Situation gerät wie die Autohersteller. Der mediale, gesellschaftliche und damit auch politische Fokus bezüglich «CO2-Sündern» kann sich schneller auf die ICT-Branche richten, als manch einer denkt.

Proaktiv handeln

Es gibt bereits globale Konzerne, die sich «CO2-Neutralität» bis in einigen Jahren auf die Fahne geschrieben haben. Ohne die
IT zu beachten, ist ein solches Ziel nicht erreichbar, was wiederum die Anforderungen an die IT verändern wird. Die CO2-Emissionen der IT entstehen hauptsächlich durch den Energieverbrauch im Betrieb, aber auch bei der Herstellung der Hardware. Entscheidend ist folglich, wie der benötigte Strom erzeugt wird, ein externer Faktor aus Sicht der ICT-Branche. Trotzdem kann und muss die IT-Branche selber etwas tun. Die Cloud ist hier keine Lösung, sondern lediglich eine Verlagerung des Problems. Der Begriff «Green IT» fasst Lösungsansätze in diesem Bereich zusammen.

Green IT

«Green IT» kann in zwei Hauptansätze eingeteilt werden. Der erste ist «Green by IT» oder wie ICT-Technologien bestehende Prozesse umweltfreundlicher machen können. Beispielsweise eine Videokonferenz statt eines klassischen Meetings, wofür die Teilnehmer mit dem Auto oder gar per Flugzeug anreisen müssten. Der zweite Ansatz ist «Green in IT», also Massnahmen, um die IT an sich grüner zu machen. Beispielsweise geringerer Stromverbrauch, längere Lebenszyklen, optimierte Herstellung und Entsorgung oder Zweitverwendung der IT-Hardware.

Es lohnt sich, dem Umweltthema auch in der IT Beachtung zu schenken, selbst wenn die Thematik im jetzigen Arbeits-alltag für die meisten in der ICT-Branche noch keine grosse Rolle spielt.

Foto: shutterstock.com

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