4. Februar 2020

«Deluxe Start-up»: Wenn etablierte Unternehmen Start-ups gründen

Ein vielversprechendes Gründungsmodell, welches die Vorteile von Start-ups und Spin-offs kombiniert – illustriert am Beispiel der Finanzbranche.

von Achim Gareus, Kevin Hansen und Carla Schmid

Längst sind Banken nicht mehr die einzigen Player im Finanzmarkt. In den letzten Jahren sind immer mehr FinTech-Start-ups mit innovativen und teils disruptiven Lösungen auf den Markt gedrängt und haben sich dort etabliert. Durch die technischen Entwicklungen und Möglichkeiten der Digitalisierung haben sich auch die Kundenerwartungen verändert.

Die traditionellen Banken können sich nicht mehr nur auf das Argument der persönlichen Beratung und das Vertrauen seitens der Kunden stützen, wenn sie wettbewerbsfähig bleiben wollen. Sie müssen, um ihre Kunden nicht an innovative Greenfield-Start-ups zu verlieren, sich der digitalen Transformation stellen. Häufig ist jedoch weder eine Kultur für Innovation und Entrepreneurship in der DNA verankert, noch ist die notwendige digitale Kompetenz vorhanden.

Was ist ein «Deluxe Start-up»?

Was können etablierte Finanzunternehmen tun, um sich langfristig gegenüber den neuen Wettbewerbern zu behaupten? Neben kostspieligen Akquisen oder Beteiligungen stehen Unternehmen noch die Möglichkeiten offen, eigene Spin-offs zu initiieren oder eigenständige Start-ups zu gründen. Diese «Deluxe Start-ups» sind vollends eigenständige Einheiten ausserhalb des Unternehmens, die das Potenzial haben, das Beste aus beiden Welten zu kombinieren. Es handelt sich hierbei um Tochtergesellschaften, die im Besitz eines etablierten Unternehmens sind, aber als autonome Einheit und unter eigener Marke auftreten. Die neuen Angebote und Produkte werden unabhängig von der Muttergesellschaft auf dem Markt lanciert.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Junge Unternehmen profitieren von einer sicheren Finanzierung, von Reputationseffekten der Muttergesellschaft sowie vom Zugang zu bestehenden Ressourcen. So können Shared Services der Muttergesellschaft genutzt und attraktive Löhne bezahlt werden, und es kann auf bestehenden Kundenbeziehungen aufgebaut werden. Dies führt zu höherer Stabilität für Mitarbeitende und Kunden.

 

 Start-upDeluxe Start-upSpin-off
Finanzkraft++
Ressourcenverfügbarkeit++
Netzwerkzugriff++
Agilität+o
Freiheitsgrade+o
Out-of-the-Box-Denken+o

 

Balanceakt für die Muttergesellschaft

Eine erfolgreiche Umsetzung ist in der Realität allerdings nicht so einfach. Damit die Gründung eines «Deluxe Start-up» erfolgreich sein kann, braucht es vonseiten der Muttergesellschaft einen Wandel zu flexibleren Strukturen, zumindest bei der Gründung und Einbindung von Tochtergesellschaften. Neben erhöhter Risikobereitschaft bedarf es weniger Kontrollmechanismen und politischer Störfeuer, dafür mehr Agilität und eines gewissen Masses an Freiheit bei Entscheidungen, die die Handlungs- und Reaktionsfähigkeit sicherstellen. Zudem fördert etwas Distanz zum Mutterhaus ein notwendiges Out-of-the-Box-Denken, welches die Basis für Innovationskraft und Kreativität darstellt.

Obwohl die Gründung eines «Deluxe Start-up» teilweise eine Kannibalisierung des Geschäftes der Muttergesellschaft bedeutet, profitiert auch diese langfristig von einer Erweiterung des Angebots und der digitalen Kompetenz. Einerseits wandern Kunden, die sich ein innovativeres Angebot wünschen, nicht zur Konkurrenz ab, sondern zur eigenen Tochtergesellschaft. Andererseits werden durch die Trennung der Marken diejenigen Kunden, welche noch nicht genug Vertrauen in digitale Modelle haben, nicht verunsichert.

Erfolgreich umgesetzt, bietet das «­Deluxe Start-up», durch die Kombination der Stärken der unterschiedlichen Gründungsmodelle, in Summe die meisten Vorteile (siehe Infobox). Der Ansatz von «Best of all worlds» wird somit zum Win-Win für alle Beteiligten.

 

Autoren: Achim Gareus, Kevin Hansen und Carla Schmid, Business Transformation Consultants bei Valtech

Disclaimer: Beitrag erschien erstmal im swissICT Mitgliedermagazin 03/2019. Valtech ist ein swissICT Firmen-Mitglied. Firmen-Mitgliedern steht unser Blog offen für Themen-Inputs und Fachartikel. Die Beiträge müssen journalistischen Anforderungen genügen und dürfen nicht werblich sein. Sie möchten auch einen Beitrag publizieren? Für Fragen dazu benutzen Sie gerne dieses Kontaktformular.

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